Das Google-Unternehmensprofil: was Google wirklich sagt, und was ihm angedichtet wird
Rund um lokale Sichtbarkeit kursieren mehr Behauptungen als Belege. Wir haben nachgesehen, was in Googles eigener Dokumentation steht, und was dort auffällig fehlt.
Für einen lokalen Betrieb ist das Google-Unternehmensprofil häufig die meistgesehene Seite überhaupt, oft mehr als die eigene Website. Es kostet nichts. Und es ist der Ort, an dem am meisten geraten wird.
Wir haben für diesen Text ausschließlich Googles eigene Hilfe-Dokumentation gelesen, keine Agenturbeiträge. Das Ergebnis ist in beide Richtungen interessant: Einiges steht dort schwarz auf weiß. Anderes, das überall behauptet wird, steht dort nirgends.
Die drei Faktoren, die Google selbst nennt
Google beschreibt die lokale Platzierung mit drei Begriffen, und zwar in dieser Reihenfolge.
Relevanz bedeutet, wie gut ein Unternehmensprofil zu dem passt, wonach jemand sucht. Entfernung bezieht sich darauf, wie weit ein Unternehmen von der suchenden Person entfernt ist. Bekanntheit beschreibt, wie bekannt ein Unternehmen ist; bekannte Orte erscheinen eher in den Ergebnissen.
Drei Dinge folgen daraus. Erstens: Entfernung ist ein Faktor, den Sie nicht verändern können. Wer zehn Kilometer außerhalb sitzt, wird für eine Suche in der Innenstadt nicht durch Optimierung nach vorn kommen. Zweitens: Relevanz entsteht durch Vollständigkeit und Genauigkeit der Angaben, nicht durch Schlagworte. Drittens: Bekanntheit ist das Einzige, das sich langsam aufbauen lässt, und es ist das, was Google am wenigsten erklärt.
Eine Formulierung ist dabei besonders klar: Es gibt Google zufolge keine Möglichkeit, ein besseres lokales Ranking anzufordern oder dafür zu bezahlen. Wenn Ihnen jemand am Telefon eine bessere Platzierung bei Google Maps verkaufen will, endet das Gespräch an dieser Stelle.
Bewertungen: die eine Aussage, und die andere
Google schreibt: Mehr Bewertungen und positive Bewertungen können das lokale Ranking verbessern. Das ist eindeutig, und es ist einer der wenigen Punkte, an denen Google einen direkten Zusammenhang zur Platzierung herstellt.
Zum Antworten auf Bewertungen schreibt Google etwas anderes: Wenn Sie auf Bewertungen antworten, zeigt das, dass Sie das Feedback Ihrer Kundschaft schätzen. Das ist keine Aussage über das Ranking. Es ist eine Aussage über Wirkung auf Menschen.
Der Unterschied klingt spitzfindig und ist es nicht. In vielen Ratgebern wird daraus, dass Antworten das Ranking verbessern. Diese Behauptung steht bei Google nicht. Antworten Sie trotzdem, aber aus dem richtigen Grund: weil die nächste Person, die eine schlechte Bewertung liest, vor allem Ihre Antwort darauf liest.
Das Namensfeld, und warum es gefährlich ist
Hier ist Google ungewöhnlich streng. Der Name muss dem tatsächlichen Namen entsprechen, so wie er einheitlich am Geschäft, auf der Website und auf Briefpapier verwendet wird und wie die Kundschaft das Unternehmen kennt.
Ausdrücklich verboten sind unter anderem: Werbeslogans, Filialcodes, Markenzeichen-Symbole, Großbuchstaben durchgehend, Öffnungszeiten, Telefonnummern, Internetadressen, Sonderzeichen, irrelevante Rechtsbegriffe, Angaben zu Leistungen und Produkten sowie Ortsangaben.
Die Folge benennt Google ebenfalls: Unnötige Angaben im Unternehmensnamen sind nicht zulässig und können zur Sperrung des Unternehmensprofils führen. Aus Elektro Müller ein Elektro Müller Berlin Neukölln Elektriker Notdienst zu machen ist damit kein Geheimtipp, sondern ein Risiko für das gesamte Profil.
Was Google ausdrücklich nicht sagt
Das ist der nützlichere Teil. Zu den folgenden Punkten haben wir in Googles Dokumentation nichts gefunden.
Es gibt keine Angabe dazu, wie oft Informationen aktualisiert werden sollen. Google sagt nur, man solle sie aktuell halten. Kein Rhythmus, keine Häufigkeit.
Es gibt keine Aussage darüber, dass Beiträge, Fragen und Antworten oder Nachrichten die Platzierung beeinflussen. Die verbreitete Empfehlung, wöchentlich zu posten, damit das Ranking steigt, hat keine Grundlage in Googles eigenen Angaben.
Und es gibt keine Statistik zu Fotos. Die oft zitierte Zahl, Profile mit Fotos erhielten zweiundvierzig Prozent mehr Routenanfragen, lässt sich auf keine auffindbare Primärquelle bei Google zurückführen. Was Google zu Fotos schreibt, ist bescheidener: Ein Außenfoto hilft der Kundschaft, das Unternehmen beim Besuch wiederzuerkennen.
Nichts davon heißt, dass Beiträge und Fotos sinnlos wären. Es heißt, dass ihr Nutzen woanders liegt: bei der Person, die vor der Entscheidung steht, nicht im Algorithmus.
Verifizierung: was Sie erwartet
Die Prüfung dauert Google zufolge bis zu fünf Werktage, in seltenen Fällen länger. Bei der Postkarte heißt es, die meisten Codes kämen innerhalb von vierzehn Tagen an. Videoanrufe sind nur innerhalb der Öffnungszeiten des Standorts möglich.
Die Videoaufzeichnung hat die strengsten Vorgaben: mindestens dreißig Sekunden, unbearbeitet, ohne Schnitt, aufgenommen und hochgeladen von einem Mobilgerät. Vorab aufgezeichnete Videos sind nicht zulässig. Zu sehen sein müssen der Standort, ein Nachweis der Existenz sowie ein Nachweis, dass Sie Zugang haben, etwa das Öffnen einer Kasse, einer Küche oder eines Lagerraums. Bei Betrieben ohne festes Ladenlokal genügen die beruflich genutzten Werkzeuge, Geräte oder Produkte.
Planen Sie das ein. Es ist der Punkt, an dem die meisten Profile monatelang liegen bleiben.
Ein Kanal, der Ihnen nicht gehört
Zum Schluss etwas, das wir für wichtiger halten als jede Optimierung. Das Unternehmensprofil ist Googles Produkt, und Google ändert es.
Zum 31. Juli 2024 hat Google Chat und Anrufverlauf im Unternehmensprofil abgeschaltet. Gespeicherte Verläufe liessen sich noch bis zum 30. August 2024 herunterladen, danach waren sie weg. Wer Kundenkommunikation dort geführt hatte, hatte sechs Wochen Zeit.
Ebenso wurden die über das Unternehmensprofil erstellten Websites zum 5. März 2024 abgeschaltet. Besucher wurden zunächst auf das Profil umgeleitet, ab dem 10. Juni 2024 sahen sie eine Fehlerseite.
Das ist kein Argument gegen das Unternehmensprofil. Es ist ein Argument dafür, es als das zu behandeln, was es ist: ein hervorragender, kostenloser Kanal, den Sie gemietet haben. Die Website, die E-Mail-Adressen und die Telefonnummer gehören Ihnen. Das Profil nicht.
Was wir konkret empfehlen
Füllen Sie jedes Feld aus, das zutrifft, und keines, das nicht zutrifft. Halten Sie den Namen exakt so, wie er am Gebäude steht. Fragen Sie nach Bewertungen, systematisch und ohne Gegenleistung. Antworten Sie auf alle, auch auf die guten. Und sorgen Sie dafür, dass die Daten, die dort stehen, auch an einem Ort stehen, den Google nicht abschalten kann.
Quellen
- Google-Hilfe: Lokales Ranking bei Google verbessern
- Google-Hilfe: Richtlinien zur Darstellung von Unternehmen
- Google-Hilfe: Leistungsdaten im Unternehmensprofil
- Google-Hilfe: Chat und Anrufverlauf werden eingestellt
- Google-Hilfe: Unternehmen bestätigen
- Google-Hilfe: Bestätigung per Videoaufzeichnung
- Search Engine Land: Google Business Profile websites redirected