Zehn Kilometer um Ihren Laden sind keine zehn Kilometer um Ihren Laden.
Google schreibt selbst, dass es Anzeigen außerhalb des eingestellten Gebiets ausliefert. Meta baut seine Zielgruppe unter anderem aus dem Wohnort, den Ihre Kundschaft im Profil angegeben hat. Was der Kreis auf der Karte tatsächlich bedeutet.
Der Kreis auf der Karte ist das überzeugendste Element im ganzen Anzeigenmanager. Man zieht ihn auf zehn Kilometer, sieht eine Reichweitenschätzung, und hat das Gefühl, eine Grenze gezogen zu haben. Beide großen Plattformen schreiben in ihrer eigenen Dokumentation, dass es so nicht funktioniert.
Google sagt es im Klartext
In der Hilfe zur Standortausrichtung steht ein Satz, den man einmal gelesen haben sollte: Wenn Sie ein Gebiet ausrichten, zeigt Google Ihre Anzeige unter Umständen auch Kundinnen und Kunden „in nearby, closely related areas", die sich normalerweise nicht ausrichten lassen, etwa weil dort zu wenige Menschen wohnen oder zu wenige Daten vorliegen.
Googles eigenes Beispiel: Wer die Stadt Manchester ausrichtet, bekommt seine Anzeigen möglicherweise auch in den Vororten von Manchester ausgespielt.
Das ist keine Fehlfunktion und kein Kleingedrucktes. Das ist die Plattform, die schriftlich festhält, dass das ausgerichtete Gebiet nicht das ausgelieferte Gebiet ist.
Die zwei Einstellungen, die Google noch hat
Seit April 2023 gibt es bei Google nur noch zwei Standortoptionen statt drei. „Suchinteresse" als eigene Option wurde abgeschafft; im Entwicklerblog steht, dass sich positive_geo_target_type nicht mehr auf SEARCH_INTEREST setzen lässt. Die Änderung wurde zum 14. April 2023 wirksam, bestehende Kampagnen wurden ab dem 24. April automatisch umgestellt. Googles Begründung: die Standortausrichtung vereinfachen.
Geblieben sind:
Anwesenheit oder Interesse. Googles Worte: „This default and recommended option lets you reach people who are likely to be in or regularly present in your targeted location, as well as people who have shown interest in your targeted locations." Das ist die Voreinstellung. Wer nichts umstellt, wirbt also auch bei Menschen, die gar nicht hier sind, sondern sich nur für hier interessiert haben.
Anwesenheit. Die engere Variante, und selbst sie ist weiter gefasst als gedacht: „people who are likely to be located, or regularly located in the locations you've targeted." Nicht „wer jetzt hier steht", sondern wer sich wahrscheinlich hier aufhält oder regelmäßig hier ist.
Ausschlüsse funktionieren anders als Einschlüsse
Das ist die Asymmetrie, die in keiner Agenturpräsentation vorkommt. Ausschlüsse arbeiten nur mit Anwesenheit: „By default, you'll exclude people likely to be located in your excluded locations." Im Entwicklerblog steht entsprechend, dass negative_geo_target_type nicht mehr auf PRESENCE_OR_INTEREST gesetzt werden kann.
Praktisch: Jemand in München, der nach einem Berliner Friseur sucht, kann über das Interesse in Ihre Berliner Kampagne geraten. Schließen Sie München aus, greift das nicht, weil der Ausschluss nur die Anwesenden entfernt. Sie können über Interesse eingeschlossen, aber nur über Anwesenheit ausgeschlossen werden.
Meta: der Wohnort aus dem Profil, geprüft an den Freunden
Bei Meta ist die Mechanik eine andere, und sie überrascht die meisten noch mehr. In der Dokumentation der Marketing-API stehen die beiden Standorttypen, aus denen die Zielgruppe gebaut wird:
home sind „People whose stated location in their Facebook profile 'current city' is in an area. Facebook validates this by IP and information from their friends' profile locations."
recent sind „People whose recent location is in a selected area, as determined from mobile device data."
Lesen Sie den ersten Satz noch einmal. Der Standort ist in erster Linie die Stadt, die jemand im Profil angegeben hat, und Meta prüft das unter anderem daran, wo die Freunde dieser Person laut deren Profilen wohnen. Das ist kein Zaun um Ihren Laden. Das ist eine Schätzung über soziale Nähe.
Und noch ein Detail: recent lässt sich nicht zum Ausschließen verwenden. Meta vermerkt das ausdrücklich. Auch hier sind Einschluss und Ausschluss nicht symmetrisch.
Die drei Optionen, die es nicht mehr gibt
Bis vor einigen Jahren konnte man bei Meta zwischen „Menschen, die an diesem Ort leben", „Menschen, die kürzlich an diesem Ort waren" und „Reisende" wählen. Diese Wahl gibt es nicht mehr. In Metas aktueller Dokumentation steht unmissverständlich: „The array ['home', 'recent'] is the only option available. If no location_types array is provided, it will default to ['home', 'recent']."
Es gibt also nur noch die kombinierte Einstellung, sie ist gleichzeitig Voreinstellung und einzige Möglichkeit. Jeder Ratgeber, der Ihnen empfiehlt, auf „Menschen, die an diesem Ort leben" umzustellen, um genauer zu werden, beschreibt eine Oberfläche, die es nicht mehr gibt.
Wann genau Meta das geändert hat, können wir nicht belegen. Die Fachpresse datiert es auf Frühjahr 2023; eine Ankündigung oder einen Änderungseintrag von Meta selbst haben wir nicht gefunden. Belegt ist nur der heutige Zustand der Dokumentation.
Die Untergrenzen, über die niemand spricht
Beide Plattformen haben Mindestradien, und bei Meta hängt der Mindestradius davon ab, wie Sie das Gebiet definieren.
Bei Google gilt: „Radius targeting requires setting a radius of at least one km around any given location." Der Grund steht daneben: Google richtet nur auf Gebiete aus, die Mindestschwellen für Fläche und Nutzerzahl einhalten, und erlaubt deshalb keine Radien unter einem Kilometer. Wer ein Gebiet wählt, das diese Schwellen nicht erfüllt, kann es in der Oberfläche schlicht nicht ausrichten.
Bei Meta gibt es zwei verschiedene Grenzen. Setzen Sie eine Stecknadel auf eine Adresse, geht der Radius von 1 bis 80 Kilometern. Wählen Sie dagegen eine Stadt und legen einen Radius darum, beginnt Meta erst bei 17 Kilometern. Ihre zehn Kilometer um den Laden sind also nur als Stecknadel überhaupt möglich; als Stadt-plus-Radius gibt es sie nicht. Die Voreinstellung für die Einheit ist übrigens die Meile, nicht der Kilometer.
„Kleiner Radius, günstigere Anzeigen" stimmt nicht
Das ist die verbreitetste Annahme und die, die Google am deutlichsten widerlegt: „If you target a small radius or very small location, your ads might only show intermittently or not at all. That's because small targets might not meet our targeting criteria."
Ein zu eng gezogener Kreis führt also nicht zu billigeren Klicks, sondern dazu, dass gar nichts mehr läuft. Weder Google noch Meta dokumentieren irgendwo einen Zusammenhang zwischen Radiusgröße und Preis pro Ergebnis.
Und wie genau ist das Ganze?
Dazu gibt es keine Zahl, und wer Ihnen eine nennt, hat sie nicht von der Plattform. Was Google schreibt, ist das hier: Die Standortausrichtung beruhe auf verschiedenen Signalen und sei Googles bester Versuch, Anzeigen passend auszuliefern, „Because these signals vary, 100% accuracy is not guaranteed in every situation."
Die Signale selbst benennt Google: IP-Adresse an erster Stelle, dazu WLAN, GPS, Bluetooth und die eigene Mobilfunkmasten-Datenbank, für das Interesse außerdem Suchbegriffe mit Ortsbezug, frühere Suchen, frühere Aufenthaltsorte und der Inhalt der Seite, auf der eine Anzeige erscheint. Bei Meta publiziert niemand eine vergleichbare Genauigkeitsaussage; es gibt dort schlicht keine.
Was wir deshalb anders machen
Den Radius als Schwerpunkt behandeln, nicht als Grenze. Er sagt der Plattform, wo der Kern Ihrer Kundschaft sitzt. Er verspricht nicht, dass niemand sonst die Anzeige sieht.
Bei Google auf Anwesenheit umstellen, wenn Laufkundschaft das Ziel ist. Die Voreinstellung schließt Interesse mit ein, und das ist für einen Laden mit festem Standort selten das, was Sie bezahlen wollen.
Nicht versuchen, über Ausschlüsse zu steuern. Sie wirken nur auf Anwesende und entfernen die interessenbasierte Reichweite nicht.
Den Radius nicht zu klein ziehen. Unter einem Kilometer geht ohnehin nichts, und knapp darüber riskieren Sie, dass die Anzeige nur sporadisch läuft.
An den Anfragen messen, nicht an der Reichweite. Die einzige Zahl, die Ihnen sagt, ob der Radius passt, ist die Herkunft der Leute, die tatsächlich anrufen, schreiben oder hereinkommen. Danach justiert man, nicht nach der Schätzung im Anzeigenmanager.
Kurz gefasst
Google liefert laut eigener Dokumentation auch außerhalb des eingestellten Gebiets aus und hat „Anwesenheit oder Interesse" als Voreinstellung. Meta baut die Zielgruppe aus dem im Profil angegebenen Wohnort, geprüft an IP und an den Wohnorten der Freunde, plus Daten vom Mobilgerät, und die früheren Feineinstellungen gibt es nicht mehr. Unter einem Kilometer geht bei beiden nichts, und ein kleinerer Radius ist nicht günstiger, sondern riskiert, dass die Anzeige stehenbleibt.
Quellen
- Google Ads-Hilfe: Erweiterte Standortoptionen (Anwesenheit oder Interesse)
- Google Ads-Hilfe: Anzeigen auf geografische Standorte ausrichten (Mindestradius, Datenschutzschwellen)
- Google Ads-Hilfe: Standortausrichtung, Signale und Genauigkeit
- Google Ads Developer Blog: Änderungen an der Standortausrichtung (Februar 2023)
- Meta für Entwickler: Basic Targeting, location_types und Radiusgrenzen
- Meta für Entwickler: Targeting Search, Radiusvorschlag
- Search Engine Land zur Datierung der Meta-Umstellung (Sekundärquelle, keine Meta-Ankündigung auffindbar)