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Was Google an Ihrer Ladezeit tatsächlich misst

Entwicklung 7 Min. Lesezeit

Der Wert, den die meisten prüfen, ist nicht der Wert, den Google verwendet. Die drei Kennzahlen, ihre Schwellen, und warum ein grüner Test wenig bedeutet.

Drei Messbalken mit Schwellenwerten

Fast jede Website-Diskussion kommt irgendwann bei der Ladezeit an, und fast immer geht es dabei um dieselbe Zahl: den Punktwert aus PageSpeed Insights. Diese Zahl verwendet Google für die Suche nicht. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern der Unterschied zwischen einer sinnvollen und einer verschwendeten Woche Arbeit.

Drei Kennzahlen, drei Schwellen

Google fasst die für die Suche relevanten Messwerte unter dem Namen Core Web Vitals zusammen. Es sind drei.

Largest Contentful Paint misst, wann das größte sichtbare Element geladen ist, also praktisch: wann die Seite anfängt, nach etwas auszusehen. Gut ist ein Wert von höchstens 2,5 Sekunden.

Interaction to Next Paint misst, wie lange die Seite braucht, um auf eine Eingabe sichtbar zu reagieren. Gut sind höchstens 200 Millisekunden.

Cumulative Layout Shift misst, wie stark Inhalte beim Laden verrutschen, also wie oft man danebentippt, weil sich etwas verschoben hat. Gut ist ein Wert von höchstens 0,1.

Zur Einordnung: Interaction to Next Paint hat First Input Delay am 12. März 2024 abgelöst. Wenn in einem Angebot oder einem Audit noch von FID die Rede ist, stammt die Vorlage aus der Zeit davor.

Der Punkt, an dem die meisten falsch abbiegen

Google bewertet diese Werte nicht an Ihrem Rechner, sondern anhand der Daten echter Besucherinnen und Besucher. Die Quelle heißt Chrome User Experience Report und ist ein rollierender Durchschnitt über achtundzwanzig Tage. Die Search Console wertet daraus ein Zeitfenster von vier Wochen aus.

Maßgeblich ist dabei nicht der Mittelwert, sondern das fünfundsiebzigste Perzentil: Bei drei von vier Seitenaufrufen muss der Wert unter der Schwelle liegen, getrennt nach Mobilgeräten und Desktop. Das ist ein strengeres Kriterium, als es zunächst klingt, denn es schließt die langsamen Geräte und die schlechten Verbindungen ausdrücklich ein.

Was daraus folgt: PageSpeed Insights und Lighthouse erzeugen Labordaten. Sie sind nützlich zur Fehlersuche und zeigen Ihnen, welches Bild zu groß ist. Aber der Punktwert von 98, der Ihnen auf einem schnellen Büro-Anschluss angezeigt wird, sagt nichts darüber, wie die Seite bei jemandem lädt, der im Zug auf ein vier Jahre altes Telefon schaut. Und genau dieser Fall geht in die Bewertung ein.

Wenn Sie eine Zahl prüfen wollen, prüfen Sie den Bericht zu den Core Web Vitals in der Search Console, nicht den Punktwert.

Wie schwer wiegt das für die Platzierung?

Google bestätigt, dass die Core Web Vitals in den Ranking-Systemen verwendet werden. Ein Gewicht hat Google nie veröffentlicht, und jede Prozentangabe dazu ist erfunden.

Was Google stattdessen schreibt, ist unmissverständlich genug: Die Suche ziele stets darauf ab, die relevantesten Inhalte anzuzeigen, auch wenn die Seitenerfahrung unterdurchschnittlich sei. Und an anderer Stelle: Der Versuch, allein aus SEO-Gründen einen perfekten Wert zu erreichen, sei möglicherweise nicht die beste Verwendung der eigenen Zeit.

Das ist eine klare Reihenfolge. Eine schnelle Seite mit dünnem Inhalt gewinnt nicht gegen eine langsamere Seite, die die Frage besser beantwortet. Ladezeit ist ein Gleichstandskriterium, kein Ersatz für Substanz.

Die Zahl, die Sie überall lesen werden

Früher oder später begegnet Ihnen dieser Satz: Dreiundfünfzig Prozent der mobilen Besucher verlassen eine Seite, die länger als drei Sekunden lädt. Er stimmt insofern, als Google ihn tatsächlich veröffentlicht hat, in einem Blogbeitrag vom 8. September 2016.

Wer die Fußnote in der zugehörigen Veröffentlichung liest, findet dort die Herkunft: aggregierte, anonymisierte Analytics-Daten von rund 3.700 mobilen Websites, die sich freiwillig für den Vergleich angemeldet hatten, Stand März 2016.

Daraus folgt dreierlei. Die Daten sind zehn Jahre alt. Die Stichprobe ist selbstgewählt, nicht zufällig. Und es handelt sich um eine Korrelation ohne Versuchsaufbau: Langsame Seiten sind oft auch aus anderen Gründen schlechte Seiten, und der Zusammenhang trennt das nicht. Wir zitieren die Zahl deshalb nicht als Beleg. Wenn Sie sie verwenden, nennen Sie das Jahr dazu.

Eine Zahl, die trägt

Es gibt eine Untersuchung mit sauberem Aufbau, und sie stammt ebenfalls von Google. Vodafone testete im Rahmen einer 2021 veröffentlichten Fallstudie zwei Versionen derselben Landingpage gegeneinander, die Hälfte des Verkehrs auf die optimierte, die Hälfte auf die unveränderte Fassung, beide mit rund einhunderttausend Klicks pro Tag, ohne sichtbare oder funktionale Unterschiede zwischen den Varianten.

Das Ergebnis: eine Verbesserung des Largest Contentful Paint um einunddreißig Prozent führte zu acht Prozent mehr Verkäufen.

Das ist ein echter A/B-Test mit Kontrollgruppe. Es ist auch genau ein Fall, aus einer Branche, mit einer bestimmten Seite. Übertragen Sie ihn nicht als Rechengröße auf Ihr Geschäft. Nehmen Sie ihn als das, was er ist: ein belastbarer Hinweis, dass die Richtung stimmt.

Was wir in der Praxis zuerst ansehen

Bilder sind fast immer der größte Posten. Zu groß ausgeliefert, im falschen Format, ohne festgelegte Abmessungen. Letzteres verursacht zugleich den dritten Wert, weil der Text springt, sobald das Bild endlich da ist.

Danach kommt alles, was von fremden Servern nachgeladen wird: Schriften, eingebettete Videos, Karten, Chat-Fenster, Analyseskripte, Einwilligungsbanner. Jedes davon ist eine zusätzliche Verbindung zu einem Rechner, über den Sie keine Kontrolle haben. Ein Einwilligungsbanner ist in dieser Hinsicht besonders unangenehm, weil es früh lädt und den sichtbaren Bereich blockiert.

Und dann der Teil, den kaum jemand prüft: wie sich die Seite auf einem alten Telefon anfühlt. Nicht im Simulator, sondern auf einem echten Gerät, das ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Das ist unbequem und deshalb aussagekräftig.

Kurz gefasst

Prüfen Sie Felddaten, nicht Labordaten. Achten Sie auf 2,5 Sekunden, 200 Millisekunden und 0,1, gemessen am fünfundsiebzigsten Perzentil. Und rechnen Sie nicht damit, dass eine schnelle Seite fehlenden Inhalt ersetzt. Google sagt selbst, dass sie das nicht tut.

Quellen